Weltmeister im "Blickwinkeln"
Wolnzach (pat) Eine starke Premiere haben Claudia Gabriel und Rolf
Berger mit ihrer hintergründigen
Konzertlesung "BlickWinkeln" in der evangelischen Kirche hingelegt.
Ältere und aktuelle Songs des
Wolnzacher Liedermachers, gepaart mit feinsinnig vorgetragenen Texten
der "Vorleserin" aus Rohrbach,
sorgten für kurzweilige Stunden, die den Zuhörern Denkanstöße
mit gaben.
"Delikatessen sind immer klein – daher ist das heute ein besonderes
Schmankerl", begrüßte Michael
Baldeweg als Hausherr die beiden Künstler. Die haben eindrucksvoll
bewiesen, dass sie seit ihrem ersten
gemeinsamen Bühnenprogramm "Kindernarrisch" viel dazugelernt
haben. Deutlich spontaner wirkt
"BlickWinkeln", mit viel mehr Abwechslung garniert. Jede Menge Rahmenprogramm
haben sich Berger
und Gabriel einfallen lassen, was den Ablauf deutlich auflockert.
Klar wechseln sie sich weiter ab. Kurze,
bayerische Songs und etwas längere, internationale Geschichten
bilden ein homogenes Ganzes, in dem
jeder Zuhörer fündig wird.
Den einen berührt ganz einfach die Musik am meisten, die feinen
Texte von Rolf Berger, der mit sich allein,
mit seiner Stimme, einer Gitarre oder einer Trommel schon völlig
ausreicht, um einen Saal nachhaltig zu
füllen. Aber dann ist da ja noch Claudia Gabriel. Sie hat eine
großartige Kollektion an Kurzgeschichten
zusammengestellt. Texte von Deutschlands Klassiker Erich Kästner,
unbekannte Geschichten des
Argentiniers Jorge Bucay, dazu Episoden von Benjamin Kiesel und
Patrick Süßkind – damit lässt sich ein
Abend hintergründig füllen.
"BlickWinkeln" kann übrigens im Grunde genommen jeder. Aber
letzten Endes dann doch wieder nicht.
Es bedeutet einfach, sich Zeit zu nehmen. Um über das Leben
nachzudenken, über die Dinge, die
geschehen, die entscheidend sind. "Als Bub hab ich geblickwinkelt
wie ein Weltmeister, ich wusste
es nur noch nicht", sagte Rolf Berger erklärend. Letztlich
waren sich die rund 40 Gäste schnell im
Klaren darüber, was ihnen das Duo mitteilen wollte. Jeder sollte
hin und wieder blickwinkeln.
Sich zurückziehen. Einfach mal den Stress gut sein lassen und
mit sich selbst und seiner Situation
ins Reine kommen.
Ein Weg dorthin führt über die Musik, ein anderer über
ein gutes Buch. Beides haben Gabriel und Berger
in Petto. Die Wer sie hören will, hat dazu in Geisenfeld (30.
Oktober), Baar-Ebenhausen (6. November)
und Rohrbach (12. November) Gelegenheit. Weitere Termine folgen,
wobei auch das
Kindernarrisch-Programm weiterhin aufgeführt wird.
Von Patrick Ermert
Wolnzacher Zeitung, 22.10.08
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