Rolf Berger - Lierdermacher

Neue Perspektiven zum Kulturtage-Auftakt

Geisenfeld (zur) Zum "Blickwinkeln" luden Claudia Gabriel und Rolf Berger am Wochenende  ins Geisenfelder Rathaus ein. Dabei ermunterten sie ihre Zuhörer, gewohnte Pfade zu verlassen,  einen Perspektivwechsel zu wagen – und läuteten so ganz passend die Kulturtage 2008 ein.

Die Kulturtage werden noch zahlreiche originelle "Einblicke" in Kunst und Musik zu bieten haben.  Der Auftakt dazu war jedenfalls vielversprechend.

Wer schon mal auf dem Boden lag – ob freiwillig oder gezwungener Maßen, ob tatsächlich oder  psychisch – der weiß, wie sehr das die Bewertung der Dinge ändert. Wie Altvertrautes plötzlich  seine Konturen verliert und fremd wird.

Natürlich konnte sich an diesem Abend keiner auf den Rücken legen, wie Erich Kästner es einst tat,  bevor er von "Emil Tischbein" schrieb. Während der Körper unbeweglich saß, wuchsen dem Geist  jedoch ganz langsam Flügel. Die Wirkung setzte auf dem Umweg über die Ohren ein, die gut gespitzt 
außergewöhnlich einprägsame Geschichten zu hören bekamen.

Claudia Gabriel bewies in der Auswahl ihrer Texte ein sicheres Gespür und brachte durch ihren  einfühlsamen Vortrag auch die leisen Untertöne zum Schwingen, die gekonnte Erzähler wie  Jorge Bucay zwischen den Zeilen einfügen. Sie ließ den Zuhörer teilhaben an der besonderen  literarischen Rückblende Patrick Süskinds, der beim Versuch die "Geschichte von Herrn Sommer"  zu erzählen, so herrlich blickwinklig in die Vergangenheit abschweift. Und betätigte sich als  Übersetzerin eines Kinderbuches, das uns auf wunderbare Weise dank "mausiger" Einsichten Angst 
und Schrecken einmal anders sehen lässt.

Begleitet wurde Claudia Gabriel von Rolf Berger, der für den musikalischen Aspekt des  Perspektivwechsels verantwortlich zeichnete. Gitarre, Cajon und Trommel waren das 
melodisch-rhythmische Fundament seiner Songs, die überwiegend im Forte von der Entdeckung des  "Blickwinkelns" im Alltag, von ungewöhnlicher Liebe, von der Bewahrung des Glücks kündeten und der eigenen Mutter eine Hommage widmeten.

Bürgermeister Christian Staudter und Kulturreferentin Henriette Staudter dankten den Künstlern  abschließend für einen schönen Abend und wünschten sich ganz im Geiste des Programmtitels  ein "Wiederblicken".

Von Magdalena Zurek
Geisenfelfer Zeitung, 3.11.08

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Presse Kritiken

Weltmeister im "Blickwinkeln"

Wolnzach (pat) Eine starke Premiere haben Claudia Gabriel und Rolf Berger mit ihrer hintergründigen 
Konzertlesung "BlickWinkeln" in der evangelischen Kirche hingelegt. Ältere und aktuelle Songs des 
Wolnzacher Liedermachers, gepaart mit feinsinnig vorgetragenen Texten der "Vorleserin" aus Rohrbach, 
sorgten für kurzweilige Stunden, die den Zuhörern Denkanstöße mit gaben.

"Delikatessen sind immer klein – daher ist das heute ein besonderes Schmankerl", begrüßte Michael 
Baldeweg als Hausherr die beiden Künstler. Die haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie seit ihrem ersten 
gemeinsamen Bühnenprogramm "Kindernarrisch" viel dazugelernt haben. Deutlich spontaner wirkt 
"BlickWinkeln", mit viel mehr Abwechslung garniert. Jede Menge Rahmenprogramm haben sich Berger 
und Gabriel einfallen lassen, was den Ablauf deutlich auflockert. Klar wechseln sie sich weiter ab. Kurze, 
bayerische Songs und etwas längere, internationale Geschichten bilden ein homogenes Ganzes, in dem 
jeder Zuhörer fündig wird.

Den einen berührt ganz einfach die Musik am meisten, die feinen Texte von Rolf Berger, der mit sich allein,
mit seiner Stimme, einer Gitarre oder einer Trommel schon völlig ausreicht, um einen Saal nachhaltig zu 
füllen. Aber dann ist da ja noch Claudia Gabriel. Sie hat eine großartige Kollektion an Kurzgeschichten 
zusammengestellt. Texte von Deutschlands Klassiker Erich Kästner, unbekannte Geschichten des 
Argentiniers Jorge Bucay, dazu Episoden von Benjamin Kiesel und Patrick Süßkind – damit lässt sich ein 
Abend hintergründig füllen.

"BlickWinkeln" kann übrigens im Grunde genommen jeder. Aber letzten Endes dann doch wieder nicht. 
Es bedeutet einfach, sich Zeit zu nehmen. Um über das Leben nachzudenken, über die Dinge, die 
geschehen, die entscheidend sind. "Als Bub hab ich geblickwinkelt wie ein Weltmeister, ich wusste 
es nur noch nicht", sagte Rolf Berger erklärend. Letztlich waren sich die rund 40 Gäste schnell im 
Klaren darüber, was ihnen das Duo mitteilen wollte. Jeder sollte hin und wieder blickwinkeln. 
Sich zurückziehen. Einfach mal den Stress gut sein lassen und mit sich selbst und seiner Situation 
ins Reine kommen.

Ein Weg dorthin führt über die Musik, ein anderer über ein gutes Buch. Beides haben Gabriel und Berger 
in Petto. Die Wer sie hören will, hat dazu in Geisenfeld (30. Oktober), Baar-Ebenhausen (6. November) 
und Rohrbach (12. November) Gelegenheit. Weitere Termine folgen, wobei auch das 
Kindernarrisch-Programm weiterhin aufgeführt wird.

Von Patrick Ermert
Wolnzacher Zeitung, 22.10.08